Wußten Sie eigentlich schon, dass gesundheitlich Aspekte in der Hundezucht eine immer größere Rolle spielen? Nachdem über einen langen Zeitraum hin das Hauptaugenmerk vieler Züchter auf der "Schönheit" ihrer Zuchttiere lag, setzt sich nun langsam die Erkenntnis durch, dass die Gesundheit der Hunde eine wesentlich größere züchterische Beachtung erfordert. Obwohl aber inzwischen fast jeder "Welpenanbieter" mit dem Zuchtziel "Gesundheit" wirbt, sieht die Realität doch oft noch ganz anders aus. Was können Sie als "potentieller Käufer" tun? Natürlich sich informieren und bei der Suche nach ihrem vierbeinigen Familienmitglied gezielt Fragen an die Züchter stellen.

Die häufigsten Krankheiten bei Deutschen Doggen sind Krebsleiden (oft "Knochenkrebs"), Herzkrankheiten, Magendrehungen und Erkrankungen des Bewegungsapparates. Für all diese Krankheiten werden neben Umwelteinflüssen auch genetische Faktoren diskutiert. Die züchterische Bekämpfung ist natürlich schwierig, solange keine konkreten Erkenntnisse über die Erbgänge vorliegen. Einiges kann aber jeder Züchter auch heute schon tun, worauf Sie als Welpeninteressent achten sollten.

Hier also (aus meiner persönlichen Sicht) einige Informationen - Fakten, die man zumindest gehört haben sollte. Die Ausführungen beziehen sich natürlich speziell auf meine Erfahrungen mit Deutsche Doggen - vieles ist aber allgemein auf Rassehunde übertragbar.

 

 

  • Wußten Sie eigentlich schon, welche Gesundheitsuntersuchungen bei den Elterntieren vor einem Zuchteinsatz vorgeschrieben sind?

Nun hier ist erst einmal zu fragen, was "vorgeschrieben" eigentlich heißt. Es gibt in dieser Hinsicht keinerlei gesetzliche Regelungen. Prinzipiell kann jedermann, der sich dazu "berufen" fühlt, eine Hündin von einem beliebigen Rüden decken lassen und Welpen erzeugen.

Bezieht man die Fragestellung auf die Zucht von Hunden innerhalb eines Zuchtvereins, so werden die Mindestanforderungen für die Erteilung einer Zuchtzulassung durch den jeweiligen Verein festgelegt. Für Deutsche Doggen wird in der Regel das Röntgen der Hüftgelenke, evtl. auch der Ellenbogengelenke gefordert sowie eine Vorstellung des Hundes bei einem "Körmeister" zur Beurteilung seines Aussehens, Gangwerkes und Verhaltens. Natürlich kann jeder Züchter auf freiwilliger Basis weitere Tests bei seinen Zuchthunden durchführen lassen! Das mitunter genannte Argument für eine Zucht außerhalb größerer Zuchtvereine, die Vorschriften für Gesundheitstests wären den betreffenden "Züchtern" dort zu lasch, entbehrt also jeder logischen Grundlage.

Man sollte sich also unbedingt erkundigen, welche Maßnahmen der jeweilige Züchter eingeleitet hat, um möglichst gesunden Nachwuchs hervorzubringen. Einige Tipps dazu folgen auf dieser Seite.

 

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  • Wußten Sie eigentlich schon, dass verschiedene Erkrankungen des Bewegungsapparates auch genetische Ursachen haben können?

Gerade großwüchsige Hunderassen wie die Deutsche Dogge leiden relativ oft unter Wachstumsstörungen und Problemen mit den Gelenken und der Wirbelsäule. Natürlich können diese durch Fehler bei der Ernährung und Aufzucht hervorgerufen oder zumindest begünstigt werden. Für viele solcher Erkrankungen wurde aber auch eine genetische Anlage nachgewiesen oder zumindest vermutet, man spricht von sogenannten "Erb-Umwelt-Krankheiten". Dazu gehören zum Beispiel:

  • Osteochondrose (OCD)
  • verschiedene Formen der Ellenbogendysplasie (ED)
  • Veränderungen der Wirbelsäule (z.B. das sogenannte "Wobbler-Syndrom")
  • Hüftgelenksdyplasie (HD)

Grundlegende Informationen über "Wachstumsstörungen" finden Sie bei unseren Tipps ---> hier Klicken!

Fragen Sie also nach vorbeugenden Untersuchungen bei den Zuchttieren und Erfahrungen, die der Züchter in dieser Hinsicht mit seinem Nachwuchs gemacht hat. Werten Sie die Antworten kritisch, denn ein "So etwas ist bei uns noch nie vorgekommen!" ist eine eher unglaubwürdige Aussage.

 

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  • Wußten Sie eigentlich schon, dass HD-Befunde nichts Absolutes und Unveränderliches sind?

Die Auswertung eines Röntgenbildes auf Anzeichen einer Hüftgelenksdysplasie (HD) gehört zu den bekanntesten und in der Regel in den Zuchtordnungen vorgeschriebenen Untersuchungen vor einer Zuchtzulassung. Erfahrungsgemäß fragen auch die meisten Welpenkäufer im Zusammenhang mit der Gesundheit der Zuchttiere zuerst nach HD. In Anbetracht der Tatsache, dass Hüftgelenksprobleme bei der Deutschen Dogge zu den selteneren Todesursachen zählen, sollte man diese Problematik zwar keinesfalls vernachlässigen, aber nach meiner Auffassung auch nicht überbewerten.

Wie entsteht nun ein "HD-Befund"? Um gut auswertbare Ergebnisse zu erzielen müssen die Hüften unter standardisierten Bedingungen (Narkose, bestimmte Lagerungstechnik) geröntgt werden. Dieses Röntgenbild wird nach unterschiedlichen Gesichtspunkten (z.B. Form des Gelenkkopfes, Form und Tiefe der Gelenkpfanne, Sitz des Kopfs in der Gelenkpfanne, Norbergwinkel) ausgewertet. Das erfordert Gutachter mit Spezialkenntnissen!

Allen die sich für Einzelheiten zu diesem Thema interessieren empfehle ich die sehr interessante Untersuchung zu verschiedenen HD-Auswertungsmethoden von Dr. Reiner Beunig zu lesen.

Was heißt das nun für Sie als "Welpenkäufer"? Verlassen Sie sich bitte nicht auf mündliche Aussagen zum HD-Befund der Zuchttiere, jeder Züchter, der eine offizielle HD-Auswertung über den Gutachter seines Zuchtvereins vornehmen läßt, wird Ihnen gern auch das entsprechendes schriftliche Gutachten vorzeigen. Hier können Sie Einzelbefunde sowie genaue Angaben zum Auswerter nachlesen, und sich im Zweifelsfall anschließend über dessen Qualifikation kundig machen.

 

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  • Wußten Sie eigentlich schon, dass der Begriff "HD-frei" sachlich nicht korrekt ist?

Der Begriff "HD-frei" wird umgangssprachlich gern Welpeninteressenten gegenüber verwendet, weil das natürlich gut klingt. Ob ein Hund "HD-frei" ist, also keine Anlage für eine HD trägt und auch im späteren Leben keine HD entwickelt, läßt sich von einem Gutachter aus dem Röntgenbild nicht beurteilen. Daher wird für den Befund HD 0 oder HD A auch grundsätzlich formuliert: "Keine Hinweis für HD". Sollte der angeblich gutachterliche Befund tatsächlich "HD-frei" lauten, so sollte Ihnen das zu denken geben. Lassen Sie es sich schriftlich zeigen (siehe oben!).

 

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  • Wußten Sie eigentlich schon, dass einige Züchter ihre Zuchthunde auf Herzkrankheiten untersuchen lassen?

Das Problembewußtsein hinsichtlich erblicher Herzerkrankungen beim Hund im Allgemeinen ist in letzter Zeit gestiegen. Schrittweise kommen auch Züchter von Deutschen Doggen zu der Erkenntnis, dass man solchen Krankheiten im Zuchtbestand vorbeugen sollte. Vorschriften in dieser Hinsicht gibt es aber bis jetzt noch in keinem mir bekannten deutschen Zuchtverein.

Das beste derzeit zur Verfügung stehende Mittel zur Früherkennung von Herzkrankheiten ist die sonografische Untersuchung ("Herz-Ultraschall"). Hier können zahlreiche krankhafte Veränderungen festgestellt werden, oft schon bevor der Hund äußere Symptome zeigt. Es ist also eine Maßnahme die Verantwortlichkeit zeigt, wenn Züchter ihre Zuchttiere freiwillig und regelmäßig untersuchen lassen. Ich persönlich würde, falls ich mir einen Welpen anschaffen wollte, Wert darauf legen.

Aber bitte bedenken Sie: Eine einmalige Untersuchung des Hundes zeigt auch nur eine "Momentaufnahme". Es läßt sich nicht ausschließen, dass der Hund später erkrankt, insbesondere wenn der Hund zum Untersuchungszeitpunkt noch jung war. Die genetischen Anlagen kann man bisher noch gar nicht feststellen. Bei rezessiven Erbgängen kann also auch ein gesundes Tier kranke Nachkommen erzeugen!

Wenn ein Züchter mit Herzuntersuchungen seiner Hunde wirbt, dann fragen Sie also bitte unbedingt:

  • welche Untersuchungen genau gemacht wurden
  • ob diese Tests von einem Fachmann (Kardiologen) durchgeführt wurden
  • wie alt die Befunde sind.

 

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  • Wußten Sie eigentlich schon, dass man viele Fragen zur Ahnentafel eines Hundes stellen kann?

Ahnentafeln für Welpen werden in der Regel nach der letzten Wurfabnahme (meist im Alter von 8 bis 9 Wochen) ausgestellt. Dies kann einige Tage, evtl. auch Wochen dauern. Sind die Welpen also noch zu jung, um selbst eine Ahnentafel zu bestizen, wird jeder "gute" Züchter Ihnen selbstverständlich die Ahnetafeln der Elterntiere seines Wurfes vorlegen. Bitte schauen Sie dann nicht nur auf die vielen interessanten Namen und evtl. auch Titel der Vorfahren, sondern lassen Sie sich zu folgenden Fragen beraten:

  • Welcher Zuchtverein hat die Ahnetafeln ausgestellt und erhalten die Welpen Ahnentafeln vom gleichen Verein? Wenn nein, warum nicht?
  • Ist auf den Ahnentafeln der Eltern die Zuchtzulassung ersichtlich? Welche Voraussetzungen mussten dafür erfüllt werden?
  • Wurde die Richtigkeit der Angaben zu den Eltertieren durch Auswertung des "genetischen Fingerabdrucks" gesichert? (Dies ist momentan keine Pflicht, kann aber vom Züchter auf freiwilliger Basis getan werden.)
  • Was kann der Züchter Ihnen konkret über die Vorfahren der Welpen insbesondere hinsichtlich Gesundheit und erreichtes Lebensalter berichten? Ein gut informierter Züchter sollte zumindest über die meisten Vorfahren Auskunft geben können. Die auffällige Häufung bestimmter Krankheiten oder viele Ahnen, die nur ein geringes Lebensalter erreicht haben, sollten Sie bedenklich stimmen. Andererseits ist es aber kein "genetisches Qualitätsmerkmal" wenn lediglich auf einige Ahnen hingewiesen wird, die relativ alt geworden sind.
  • Finden sich bestimmte Vorfahren mehrfach in der Ahnentafel? Wenn ja, welche Begründung gibt der Züchter für eine eventuelle Inzucht? (Zur Inzucht siehe auch den nächsten Punkt auf dieser Seite).

 

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  • Wußten Sie eigentlich schon, was "Inzucht" und "Linienzucht" tatsächlich bedeutet?

An dieser Stelle soll keine Abhandlung mit wissenschaftlichem Charakter folgen, sondern nur einige praktische Hinweise für Welpeninteressenten!

Mit dem Begriff Inzucht verbindet auch der Laie in der Regel die Vorstellung, dass es sich dabei um die Verpaarung relativ eng miteinander verwandter Tiere handelt. Für den Welpeninteressenten erkennbar werden dabei nur solche Grade der Inzucht, die aus den Ahnentafeln der Welpen (oder besser noch der Eltertiere) ersichtlich sind. Wobei es sich immer dann um eine "Inzuchtverpaarung" handelt, wenn mindestens ein gleicher Ahne sowohl beim Vater wie auch bei der Mutter zu finden ist. Als Faustregel kann dann gelten, je weiter "hinten" dieser Ahne im Stammbaum steht, um so geringer ist der Inzuchtgrad.

Der Inzuchtgrad kann als sogenannter "Inzuchtkoeffizient" berechnet werden, dies ergibt einen Wert der in der Regel in Prozent angegeben wird. Je höher dieser Prozentwert ist, um so stärkere Inzucht liegt also bei der Verpaarung vor, zum Beispiel:

  • IK = 25 % bei Verpaarungen von Vollgeschwistern oder Eltern mit ihren "Kindern"
  • IK = 12,5 % bei Verpaarungen von Halbgeschwistern oder "Tante" mit "Neffe"
  • IK = 6,25 % bei Verpaarung Cousin mit Cousine

Was bedeutet dieser Zahlenwert? Ganz einfach gesagt gibt er die Wahrscheinlichkeit an, mit der sich zwei "gleiche Gene" bei den Nachkommen treffen werden, sie also für dieses Merkmal reinerbig sein werden. Handelt es sich um ein erwünschtes Merkmal ist Reinerbigkeit natürlich positiv, leider gibt es aber auch zahlreiche "Krankheitsgene", die auf diese Weise reinerbig werden. Eine weitere negative Wirkung von Inzucht ist die sogenannte Inzuchtdepression (allgemein verminderte Vitalität), die allerdings nur bei starker Inzucht über einen längeren Zeitraum zu erwarten ist. In jedem Falle wird aber auf die Dauer gesehen die genetische Vielfalt durch Inzucht eingeschränkt, ein wesentlicher Grund, warum moderne Populationsgenetiker dieses Zuchtverfahren für Haustiere oft ablehnen.

Linienzucht - Zuchtlinien?

Diesen Begriffen begegnet man häufig in der Hundezucht. Leider bestehen oft auch bei Züchtern große Unklarheiten über die Begriffsdefinition. In jedem Fall handelt es sich aber bei einer "Linienzucht" um Inzucht, die über mehrere Generationen betrieben wird, um bestimmte Eigenschaften genetisch zu festigen. Eine Zuchtlinie aufzubauen erfordert daher einen hohen Grad an Fachkenntnissen und Objektivität gegenüber den eigenen Zuchthunden, denn natürlich besteht immer die Gefahr, auch unerwünschte ("krankmachende") Gene reinerbig zu machen.

Merke: Linienzucht ist immer Inzucht, Inzucht aber nicht immer Linienzucht. Wirbt ein Züchter mit diesen Begriffen, oder finden Sie beim Betrachten der Ahnentafeln Hinweise für eine engere Inzucht, dann lassen Sie sich diese Vorgehensweise unbedingt begründen. Achten Sie besonders auf gesundheitliche Aspekte!

Mitunter meinen Züchter aber auch etwas ganz anderes, wenn sie von "ihrer Zuchtline" sprechen - nämlich schlicht und einfach die "lineare" Abstammung von Zuchthunden aus dem eigenen Zwinger über mehrere Generationen. In diesem Falle muss keinerlei Inzucht vorliegen, denn die jeweiligen Paarungspartner können genetisch völlig fremd sein.

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