Es steht fest, dass eine Dogge in Zukunft das Familienleben bereichern soll? Dann ergibt sich zwangsläufig die Frage nach dem "passenden" Geschlecht und Alter. Hier ein paar Entscheidungshilfen:

 

Rüde oder Hündin?  
Probleme durch das Sexualverhalten?  
Welpe oder erwachsener Hund?  
Eins, zwei, drei... viele...?  

Rüde oder Hündin?

Wenn man erst einmal nur die Äußerlichkeiten betrachtet, so ist der Rüde in der Regel die imposantere, die Hündin die elegantere Erscheinung. Rüden werden durchschnittlich größer und kräftiger als Hündinnen und haben mehr (Muskel ) Masse. Demzufolge sind sie natürlich auch körperlich noch schwerer zu beherrschen. Für die meisten Menschen dürfte es aber keine Rolle spielen, ob sie es mit 60 kg oder 80 kg geballter Kraft aufnehmen müssen - durch den Einsatz eigener Körperkraft ist man beidem kaum gewachsen, hier ist in jedem Fall Erziehung das A und O.

Im Hinblick auf die Charaktereigenschaften wird dem Rüden eine größere Neigung zu dominantem Verhalten zugeschrieben, Hündinnen sollen leichter lenkbar und anschmiegsamer sein. Daher empfehlen viele Züchter insbesondere dem "Anfänger" eine Hündin auszuwählen. Das geben wir hier so wieder, wie es häufig zu lesen und von erfahrenen Hundeleuten zu hören ist. Aus eigener Erfahrung können wir diesen grundsätzlichen charakterlichen Unterschied bei unseren Doggen bisher nicht bestätigen. Wir hatten mit unseren Rüden noch nie ein Dominanzproblem Menschen gegenüber. Unser dominantester Vierbeiner (anderen Hunden gegenüber) ist eine Hündin (Baidschi), der kinderliebste war unser Rüde Festus, der "schmusigste" - hier steht es unentschieden, verschmust sind sie alle.

Nach unserer Meinung sollte man im Hinblick auf charakterliche Eigenschaften weniger das Geschlecht in den Vordergrund stellen, sondern den Hund als Individuum betrachten. Bestimmte Veranlagungen sind genetisch vorgegeben und können durch die Umwelteinflüsse (schon beim ganz jungen Welpen) verstärkt oder abgeschwächt werden. Viele Menschen überschätzen leider sich selbst und ihre Fähigkeiten in der Hundeerziehung, und nehmen (wenn überhaupt) erst Hilfe in Anspruch, wenn es zu spät ist. Bei optimaler Aufzucht und einfühlsamer und doch konsequenter Erziehung von "kindesbeinen" an wird sich nämlich nur in seltenen Ausnahmefällen (angeborene übersteigerte Aggressionsbereitschaft?) eine Dogge zum "Problemhund" entwickeln.

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Probleme durch das Sexualverhalten:

Beim Rüden wird oft das ständige "Markieren" sowohl unterwegs wie auch im eigenen Garten etc. als störend empfunden. Dies lässt sich zwar durch Erziehung einschränken (der Mensch als Rudelchef kann das markieren an bestimmten Stellen verbieten), völlig unterdrücken kann man dieses Verhalten aber nicht. Ein weiteres Problem kann auftreten, wenn in der Nähe eine Hündin läufig ist. Dieser "tolle Duft" kann den Rüden auch über größere Distanzen erreichen und zu unruhigem Verhalten, Fressunlust und verzweifeltem Gejaule führen. Eventuell verschwindet er sogar auf einem Spaziergang oder einfach über den Gartenzaun.

Die Hündin wird in der Regel zwei mal jährlich "läufig". Störende Blutstropfen auf dem Fußboden des Hauses kann man in dieser Zeit durch ein "heisses Höschen" verhindern, das im Hundefachhandel auch in Doggengröße erhältlich ist. Natürlich muss man in dieser (etwa 3 Wochen dauernden) Zeit auch Rüden aus dem Wege gehen und die Hündin in der Phase der Deckbereitschaft (meist ab dem 10. Tag nach Beginn der Blutungen) sicherheitshalber nur an der Leine und auf "rüdenfreiem" Terrain ausführen. Einige Wochen nach der Hitze kommt es oft zu Verhaltensänderungen der Hündin, die hormonell bedingt sind. Man spricht von "Scheinträchtigkeit". Weitere Informationen dazu erhalten Sie hier ---->
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Sollten Sie eine Kastration in Betracht ziehen, dann lassen Sie diese bitte erst nach Erreichen der Geschlechtsreife ausführen. Der heutige Trend zur Frühkastration (im sechsten Lebensmonat, mitunter noch davor) ist unseres Erachtens gerade für großwüchsige Hunderasssen wie die Deutsche Dogge gefährlich. Die Sexualhormone spielen nämlich auch eine wichtige Rolle für die Ausreifung des Skeletts (zum Beispiel für das Schließen der Wachstumsfugen). Warten Sie also bei der Hündin unbedingt die erste Läufigkeit ab, beim Rüden zumindest den Abschluss der Hauptwachstumsphase.

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Welpe oder erwachsener Hund?

Sicherlich wird sich mancher Besucher dieser Seiten sagen: "Das brauche ich gar nicht zu lesen. Die Autorin ist selbst Züchterin, also rät sie im eigenen Interesse zur Anschaffung eines Welpen." Das wäre allerdings ein Trugschluss - und jeder Züchter der so argumentieren würde wäre außerdem sehr kurzsichtig.

Der Welpe wird in der Regel mit 9 bis 10 Wochen in sein neues Zuhause einziehen. Ein süßes verspieltes kleines Wesen, über dessen zukünftige körperliche und charakterliche Entwicklung man aber noch relativ wenig sagen kann. In diesem Alter sind die Hunde natürlich besonders anpassungfähig an ihre Umwelt und werden im postiven Fall später vollkommen den Tagesrhythmus und die Gewohnheiten ihrer Familie annehmen. Das bedeutet aber viel Arbeit und Mühe und auch Verantwortung, denn Fehler, die man in der Aufzuchtphase begeht, sind meist nur sehr schwer wieder zu korrigieren. Das gilt sowohl für die körperliche wie auch die psychische Entwicklung des Junghundes. Und trotz aller Mühe sind Überraschungen nicht ausgeschlossen: Der kleinste Welpe des Wurfes kann durchaus später der Größte von allen Geschwistern sein, der sanfteste Welpe kann sich in der Pubertät zum "Frechdachs" entwickeln usw. Man benötigt viel Zeit für die Erziehung, kann einen Welpen nur sehr begrenzt alleine lassen, hat anfänglich oft Probleme mit der Stubenreinheit und muss mit so manchem zerstörten Einrichtungsgegenstand rechnen. Andererseits kennt man diesen Hund ja nahezu vom ersten Lebenstag an, es gibt keine "Geheimnisse" in der Vorgeschichte und jedes Fehlverhalten des Hundes kann und muss man sich aus eigenen Erziehungsfehlern erklären.

Der erwachsene Hund hat in der Regel schon ein relativ gefestigtes Wesen, dass es allerdings vor der eventuellen Übernahme erst zu "erforschen" gilt. Erwachsene Hunde aus "guten Verhältnissen" sind problemlos stubenrein, haben einen gewissen Grundgehorsam, können nach entsprechender Eingewöhnungszeit auch eine Weile alleine gelassen werden, zernagen voraussichtlich keine Stuhlbeine mehr usw. Ein gut geprägter und erzogener erwachsener Hund ist also mit Sicherheit für einen Hundeneuling ein leichterer Einstieg in die "Hundewelt". Das erwachsene Hunde sich ihren neuen Menschen nicht mehr anschließen ist ein Vorurteil. Sie brauchen mit Sicherheit etwas längere Zeit, die Bindung wird aber genau so stark werden.

Wichtig ist jedoch, dass man sich genau über die Herkunft und die bisherigen Lebensverhältnisse des Hundes informieren kann und ehrliche Antworten auf seine Fragen bekommt. Dann hat man die Möglichkeit, einen charakterlich zu den eigenen Lebensverhältnissen passenden Hund auszuwählen (zum Beispiel kinderlieb, katzenverträglich). Nicht wenige solcher Hunde suchen wegen gravierender Veränderungen in den Lebensverhältnissen ihrer ehemaligen Besitzer ein neues Zuhause.

Allerdings gibt es da auch die Problemfälle, Hunde die abgegeben werden, weil ihre Besitzer nicht mit ihnen klar kommen, weil sie völlig unerzogen sind, Dominanzverhalten zeigen, vielleicht sogar schon einmal zugebissen haben. Oder total verängstigte Tiere, die ihr bisheriges Leben in schmutzigen Hinterhöfen oder Zwingern gefristet haben. Hier sollte man sich der großen Verantwortung bewusst sein, die man mit einem solchen Hund übernimmt. Gibt man das Tier nach einiger Zeit wieder zurück, so hat der Hund weiteren psychischen Schaden genommen und eine erneute erfolgreichere Vermittlung wird immer schwerer. Mitleid alleine reicht hier nicht aus, es muss Hundeerfahrung vorhanden sein und der feste Wille den Hund mit viel Geduld und professioneller Hilfe "umzuerziehen". Wenn Sie sich der Aufgabe stellen wollen, einem Hund mit "trauriger Vorgeschichte" ein Zuhause zu geben, dann wenden Sie sich bitte unbedingt an ein Tierheim oder eine seriöse "Hunde-Notvermittlung", die von zahlreichen Vereinen oft auch für Rassehunde betrieben wird.

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Eins, zwei, drei... viele... ?

Ein Einzelhund mit viel Zuwendung und Beschäftigung sowie der Möglichkeit auch regelmäßig mit anderen Hunden zu spielen ist bestimmt mit seinem Leben zufrieden. Wirklich optimal ist aber nach unserer Meinung die Haltung eines "Hundepärchens". Zwei Hunde sind niemals alleine, auch wenn ihre Besitzer einmal ohne sie das Haus verlassen - zwei Hunde kann man (gute Erziehung vorausgesetzt) auch problemlos überall dort hin mitnehmen, wo man mit einem Hund hingehen würde. Erziehung ist aber hier wieder ganz dringend notwendig, denn zwei Hunde fühlen sich auch unterwegs als "Mini-Rudel" und verhalten sich entsprechend selbstsicherer.

Wirklich empfehlenswert ist die Kombination Rüde / Hündin. Wenn man nicht züchten möchte, sollte einer von beiden kastriert sein. Sinnvoller Weise schafft man sich aber nicht beide Hunde gleichzeitig an. Die Grunderziehung des ersten Hundes sollte abgeschlossen sein, ehe der zweite ins Haus kommt.

Gleichgeschlechtliche Hunde können miteinander harmonieren, es besteht aber auch die Möglichkeit, dass ernste Rangordnungskämpfe auftreten. Dies passiert mitunter erst nach mehreren Jahren - und die Konsequenz kann die Notwendigkeit einer dauerhaften Trennung der "Kampfhähne" sein.

Mehr als zwei Hunde? Nun das ist wohl nur etwas für wirklich "hart gesottene Hundefanatiker". Bei der Mehrhundehaltung nehmen Arbeit und Probleme deutlich zu. Wir halten es zum Beipiel für unverantwortlich, wenn eine Person mit vier oder mehr (noch so gut erzogenen) großen Hunden spazieren geht. Es können unvorhergesehen Dinge eintreten, die es unmöglich machen, alle gleichzeitig zu beherrschen (zum Beipiel ein streunender aggressiver Hund). Also muss man mehrmals am Tag gehen... Bei mehr als zwei Hunden ist auch immer die Problematik der Rangkämpfe gleichgeschlechtlicher Tiere aktuell, ja die Anwesenheit einer Hündin im Rudel fördert beispielsweise die Auseinandersetzungen zwischen den Rüden (und umgekehrt).

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