Leider sind die Ursachen einer Wachstumsstörungen im Einzelfall mitunter schwer zu ermitteln. Über die Bedeutung bestimmter Einflussfaktoren - insbesondere über die Erblichkeit - gibt es teilweise verschiedene Aussagen in der Fachliteratur. Wir wollen hier die wichtigsten bekannten Ursachen in allgemein verständlicher Form diskutieren.

Hohe Energiezufuhr - forciertes Wachstum!

Hierbei handelt es sich um einen Auslöser für verschieden Störungen wie Ellenbogendysplasie, Osteochondrose oder Hüftgelenksdysplasie.
Es ist wohl leicht vorstellbar, dass durch eine sehr energiereiche Nahrung der Welpe realtiv schnell ein hohes Körpergewicht erreicht. Dies wirkt sich ungünstig auf die noch relativ weichen, wachsenden Knochen aus und belastet die Gelenke bei jeder Bewegung. Viele so überfütterte Junghunde werden nicht dick, sondern setzen die Energie in beschleunigtes Wachstum um! Das hängt offensichtlich damit zusammen, dass die erhöhte Energiezufuhr die Ausschüttung von Wachtumshormonen, Schilddrüsenhormonen und dem Insulinähnlichen Wachstumsfaktor I beeinflusst. Diese Hormone wirken unter anderem auch beim Aufbau des Skeletts. Es kommt in dem fein ausgewogenen Prozess der Knochen- und Knorpelbildung zu Ungleichgewichten.
Man soll nun aber nicht in das andere Extrem verfallen und den Junghund förmlich "großhungern", auch Mangelzustände können schwerwiegende Folgen für die Skelettentwicklung haben. Ziel ist also ein langsames Wachstum bei guter körperlicher Gesamtentwicklung. So kann auch die Entwicklung der Muskulatur mit dem Wachstum Schritt halten, was für die Stabilisierung des gesamten Bandapparates und der Gelenke von großer Bedeutung ist.
Die Energiezufuhr regelt man am besten durch Kontrolle des Fettanteils der Nahrung, denn Fett hat im Verhältnis zu Eiweiss und Kohlenhydraten einen wesentlich höheren "Brennwert".

Hoher Eiweissgehalt der Nahrung als Risikofaktor?

Einige Zeit lang wurde die Theorie, dass eine eiweissreiche Ernährung zu Wachstumsstörungen führt sehr propagiert. Nach neuesten wissenschaftlichen Veröffentlichungen scheint sich hierfür aber kein Beweis zu finden.
Trotzdem sollte (schon zur Schonung von Leber und Niere) der Eiweissgehalt nicht übertrieben hoch liegen, dass aber, wie mitunter gefordert, die Werte um 21 % oder darunter (bezogen auf Fertignahrung) liegen müssen, erscheint ernährungsphysiologisch nicht gerechtfertigt. Nach unserer Erfahrung sind Werte um die 25% günstig.

Die Eiweisse der Nahrung dienen nur in zweiter Linie der Energiegewinnung, wesentlich bedeutsamer sind sie als "Baustoff-Lieferranten" (Aminosäuren) für den Aufbau körpereigener Eiweisse. Wichtig ist daher, dass es sich um biologisch wertvolles Eiweiss handeln sollte. Eiweiss aus Soja und ähnlichen pflanzlichen Produkten enthält keine optimale Zusammensetzung von Aminosäure für den Hund.

Zu viel Bewegung und Fehlbelastungen!

Das Skelettsystem eines Welpen ist bei der Geburt noch sehr unfertig. Das ist unter anderem in der relativ kurzen Zeit der vorgeburtlichen Entwicklung begründet: Doggenwelpen werden (wie alle anderen Hunde auch) nach etwa neun Wochen Trächtigkeit geboren. Vergleicht man dies zum Beispiel mit den ausgewachsen gar nicht so viel größeren Shetland-Ponys (Widerristhöhen um 100 cm), so findet man dort eine Tragezeit von 11 Monaten!

Man darf sich das Wachstum nicht nur als einen Prozess der Größenzunahme vorstellen, sondern es kommt auch noch zu zahlreichen Umbauvorgängen und Veränderungen in der Knochen- und Gelenkstruktur. Durch lang dauernde oder aber kurze sehr starke mechanische Belastungen können winzig kleine Schädigungen an den Knochenstrukturen, Wachstumsfugen oder Gelenkknorpeln auftreten, die unerkannt bleiben, aber der Ausgangspunkt einer Wachstumsstörung werden können.

Folgende Grundregeln sollte man nach unserer Erfahrung beachten:

  • Lieber mehrere kurze Spaziergänge als einen langen am Tag. Für einen 3 bis 4 Monate alten Welpen sind 15 bis 20 Minuten hintereinander ausreichend. Die Dauer sollte langsam gesteigert werden.
  • Sorgen Sie für reichlich Möglichkeit zum Spielen - beim Spiel sind die Belastungen nicht so einseitig wie bei langem Laufen. Es werden die verschiedensten Muskelgruppen trainiert und "nebenbei" noch das Sozialverhalten.
  • Bedenken Sie auch, dass Hunde (wie kleine Kinder) ihre Kräfte nicht selbst einschätzen können und sich daher oft freiwillig überlasten. Sorgen Sie also für ausreichende Ruhepausen und zwar ehe ein Erschöpfungszustand erkennbar wird! Das gilt sowohl für Spiel wie auch Spaziergang.
  • Bedenken Sie, dass eine Dogge im Alter von sechs Monaten zwar schon sehr groß und kräftig aussehen kann, aber noch lange nicht fertig entwicklet ist. Im Gegenteil: In diesem Alter findet man das intensivste Streckungswachstum - Überlastungen sind jetzt besonders gefährlich.
  • Im Alter von einem Jahr ist die Hauptwachstumsphase zwar vorbei, die Skelettentwicklung immer noch nicht abgeschlossen. Man kann jetzt mit einem gezielten Training beginnen (wenn der Hund beispielsweise an das Mitlaufen beim Fahrradfahren, Joggen oder Reiten gewöhnt werden soll). Ausgewachsen ist die Dogge aber erst mit etwa 2 Jahren (Hündinnen meist etwas früher, Rüden mitunter auch später).
  • Reizthema Treppensteigen: Hier wird nach unserer Auffassung mitunter etwas übertrieben. Mit Sicherheit schädlich ist für Welpen und Junghunde häufiges Treppensteigen über mehrere Etagen. Gefährlich sind glatte oder sehr hohe Treppenstufen. Einige Stufen müssen die jungen Doggen mehrmals am Tag auch bei uns laufen, wir konnten nicht feststellen, dass dadurch vermehrt Wachstumsprobleme oder gar HD bei unseren Hunden aufgetreten wäre. Allerdings kennen wir Doggen, die in ihrer Jugend nie das Treppensteigen lernten, und dann auch als erwachsene Hunde nicht oder nur mit größten Schwierigkeiten dazu zu bewegen waren.
  • Auf gezielte Sprungübungen sollte man beim heranwachsenden Hund verzichten. Hierbei kommt es zu teilweise sehr starken mechanischen Belastungen.

Genetische Faktoren?

Da sehr viele verschiedene Gene für die Steuerung eines gesunden Wachstums verantwortlich sind, erscheint es auch logisch, dass Wachstumsstörungen erblich bedingt sein können. Man geht in der Regel von einem sogenannten polygenen Erbgang aus. Das heißt vereinfacht gesagt, dass mehrere Gene die krankhafte Veränderung beeinflussen, wodurch oft auch die unterschiedlichen Schweregrade der Erkrankungen erklärt werden (Standardbeispiel ist die HD).

Da neben erblichen Faktoren aber auch Umwelteinflüsse (Ernährung, Bewegung) für die Entwicklung einer Wachsstumsstörung von großer Bedeutung sind, spricht man von sogenannten "Erb-Umwelt-Krankheiten". Der genetisch bedingte Anteil an der Ausprägung einer solchen Krankheit wird auch als "Heritabilität" ("Erblichkeitswert") berechnet und üblicher Weise in Prozent angegeben. Für die HD (als am besten untersuchte Erkrankung) findet man beispielsweise in der Fachliteratur je nach Untersucher, Untersuchungsmethodik und Hundepopulation Heritabilitätswerte zwischen 20% und 70%.

Was bedeutet dies nun für den Hundehalter? Genetisch vorgegeben ist bei einer Erb-Umwelt-Krankheit nur das Risiko zu erkranken. Ob der Hund wirklich krank wird, hängt stark von den Umwelteinflüssen ab, denen er während seiner Entwicklung ausgesetzt ist. Also ganz vereinfacht gesagt: Ein Hund mit "kranken Genen" reagiert auf schlechte Aufzuchtbedingungen wesentlich empfindlicher als der genetisch gesunde Hund.

Als Erb-Umwelt-Krankheiten der Skelettentwicklung sind bei der Deutschen Doggen neben der HD besonders die ED und die OCD von Bedeutung (siehe "
Wachstumsstörungen im Überblick"). Von der Zucht ausgeschlossen werden derzeit im DDC 1888 e.V. Tiere mit mittlerer und schwerer HD (HD 3 und HD 4), Doggen mit leichter HD (HD 2) dürfen nur mit HD-freien oder HD-Grenzfall-Tieren (HD 0 oder HD 1) verpaart werden.

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