Da eine Deutsche Dogge bei der Geburt etwas 600 g wiegt und im Alter von einem Jahr schon 50 bis 60 kg auf die Waage bringt, ist gut vorstellbar, dass dieses rasante Wachstum mit Komplikationen verbunden sein kann. Darüber gibt es zahlreiche wissenschaftliche Veröffentlichungen. Die typischen Störungen der Knochen- und Gelenkentwicklung wollen wir hier kurz und dem Laien verständlich vorstellen.

Osteochondrose   (Osteochondrosis dissecans, OCD, Chondrose)
(osteon=Knochen; chondron=Knorpel; -ose=krankhafter Zustand; dissecans=zerschneidend,gewebstrennend)

Die Gelenkinnenflächen werden normaler Weise von einer Knorpelschicht überzogen, die sich im engsten Stoffwechsel mit dem darunter liegenden Knochen befindet. Kommt es zu Störungen des Knochen- und Knorpelwachstums, so kann ein Knorpelstück abreißen und befindet sich im Gelenkspalt ("Gelenkmaus"), wo es wie ein Fremdkörper wirkt. Außerdem wird die zerstörte Knorpelschicht nicht wieder nachgebildet. Beides führt zu Abnutzungserscheinungen, Entzündungen und Schmerzen im Gelenk.

Die typischer Weise betroffenen Gelenke sind im Bild gekennzeichnet. Bei Deutschen Doggen überwiegt die OCD im Schulter- und Ellenbogengelenk. Die Erkrankung tritt häufig beidseitig auf, Rüden erkranken öfter als Hündinnen.

Hauptsymptom ist das Schonen des betroffenen Beines (der Hund "humpelt" über einen längeren Zeitraum). Typischer Weise treten erste Symptome zwischen dem 5. und 10. Lebensmonat auf. Meist ist die Lahmheit zu Beginn der Erkrankung relativ unauffällig und verstärkt sich später. Es kann schließlich so weit kommen, dass der Hund das Bein gar nicht mehr aufsetzt. Wird das Bein vom Besitzer oder Tierarzt bewegt zeigt der Hund oft Schmerzen und Abwehr. Mitunter ist auch eine Schwellung des betroffenen Gelenkes fühlbar.

Nach der gründlichen Untersuchung des Hundes muss der Tierarzt zur Sicherung der Diagnose Rötngenaufnahmen vom betroffenen Gelenk anfertigen.

Über den Therapieplan muss ein entsprechend ausgebildeter und erfahrener Tierarzt entscheiden. Oft wird sich eine Operation des betroffenen Gelenkes nicht vermeiden lassen. Mitunter reichen in leichten Fällen Bewegungseinschränkung und Fütterungsumstellung. Bei frühzeitiger fachlich fundierter Behandlung (bevor bleibende Gelenkschäden entstanden sind!) ist die Prognose relativ gut.

Ellenbogendysplasie   (ED ist ein Überbegriff für verschiedene Formen der Gelenkveränderung)
(Dysplasie=Fehlgestaltung, Fehlbildung)

Das Ellenbogengelenk ist relativ komplex aufgebaut, da es aus drei verschiedenen Knochen gebildet wird (Oberarm, Speiche und Elle). Daher können Wachstumsstörungen der einzelnen Knochen (meist Elle oder Speiche) den gesamten Gelenkaufbau beeinlussen. Häufig kommt es dabei zur Absprengung oder Missbildung einzelner Knochenfortsätze (FPC: Fragmentierter Processus Coronoideus medialis = gebrochener innerer Kronenfortsatz; IPA: Isolierter Processus Anconaeus = loser Kruemmungsfortsatz des Ellenbogenhoeckers), aber auch unterschiedliches Längenwachstum von Elle und Speiche oder eine OCD können ursächlich sein. Oft treten mehrere dieser Probleme gleichzeitig auf.

Die Folge ist wiederum eine gestörte Gelenkfunktion, Entzündung, Schmerzen und schließlich die Entwicklung einer Arthrose.

Erstes erkennbares Symptom ist das Schonen des betroffenen Vorderbeins, anfänglich nur leicht und auch durch beschwerdefreie Phasen unterbrochen. Oft werden die ersten Anzeichen aber nicht erkannt, leichtes Schonen bleibt unbemerkt, besonders wenn - was nicht selten vorkommt - beide Gelenke betroffen sind. Auch werden solche Lahmheiten häufig selbst von erfahrenen Hundebesitzern und -züchtern als "Wachstumsschmerzen" abgetan. Die meisten Hunde erkranken zwischen dem 5. und 9. Lebensmonat. Bleibt die Erkrankung unbehandelt, werden die Schmerzen schlimmer (besonders nach längeren Belastungen und nach Ruhephasen). Eventuell kommt es auch zur Fehlstellung der Gliedmaßen.

Die Diagnose einer Störung am Ellenbogen wird realtiv leicht durch die äußeren Symptome des Tieres gestellt, die genaue Ursache sollte dann mit Hilfe von Röntgenaufnahmen (Ellenbogengelenk in mehreren Ebenen) gesucht werden. Da sich aber nicht alle Prozesse eindeutig im Röntgenbild erfassen lassen ist unter Umständen dazu sogar die operative Eröffnung des Gelenkes notwendig.

Die Therapie ist sehr vom vorliegenden Gelenkbefund abhängig, bei frühzeitiger Erkennung der Krankheit wird meist eine Operation angestrebt. Im fortgeschrittenen Stadium sind häufig nur noch schmerz- und entzündungslindernde Mittel einzusetzen. Suchen Sie in unbedingt einen erfahrenen Tierarzt auf, da jeder Fall ganz individuell entschieden werden muss!

Hüftgelenksdysplasie   (HD)
(Dysplasie=Fehlgestaltung, Fehlbildung)

Die Hüftgelenksdysplasie ist wohl eines der bekanntesten Krankheitsbilder beim Hund. Hierbei handelt es sich um eine komplexe Fehlbildung, die in der Regel sowohl die Gelenkpfanne wie auch den Oberschenkelkopf betrifft. Beide "passen nicht zueinander", der Oberschenkelkopf sitzt mehr oder weniger locker in der Pfanne, kann sogar ganz "herausrutschen". Nach verschiedenen Kriterien bei der Auswertung des Röntgenbildes wird die HD in unterschiedliche Schweregrade eingeteilt:

  • Kein Hinweis auf HD: HD 0 = HD A
  • Grenzfall / Übergangsform: HD 1 = HD B
  • Leichte HD: HD 2 = HD C
  • mittelgradige HD: HD 3 = HD D
  • schwere HD: HD 4 = HD E

Die Symptome, die ein von HD betroffener Hund zeigt, können sehr unterschiedlich sein. Der Schweregrad der Beschwerden entspricht nicht immer dem Schweregrad der HD. Prinzipiell sind belastungsabhängige Schmerzen, Schwierigkeiten beim Aufstehen und Springen zu erwarten. Oft zeigen sich die Probleme erst im fortgeschritteneren Alter als Folgen der Abnutzungserscheinungen (Arthrose im Hüftgelenk).

Die Diagnose sollte wenn irgend möglich vor dem Auftreten der ersten Symptome gestellt werden. Dazu ist eine Röntgenaufnahme der Hüften notwendig. Bitte lassen Sie Ihre Dogge, wenn sie keinerlei Symptome zeigt, nach Abschluss der Wachstumsphase (etwas mit 2 Jahren) vorbeugend röntgen!

Die Therapie richtet sich wiederum sehr nach dem konkreten Befund im Einzelfall und reicht von Bewegungseinschränkung und Fütterungsumstellung über schmerzstillende Medikamente bis zu chirurgischen Eingriffen. Beraten Sie sich mit einem erfahrenen Tierarzt, dann ist in den meisten Fällen auch bei schwerer HD noch viel für ein lebenswertes Hundeleben zu erreichen.

Panostitis   (Panostitis eosinophilica)
(pan=ganz, alles; ostitis=Knochenentzündung; eosinophilica=mit vermehrtem Auftreten Eosinophiler Granulozyten verbunden)

Es handelt sich um eine Knochenentzündung mit Beteiligung aller Schichten des Knochens (von der Knochenhaut außen bis zum Knochenmarkraum innen). Betroffen sind die langen Röhrenknochen. Sie kommt bei Rüden wesentlich häufiger vor als bei Hündinnen. Der Beginn der Erkrankung liegt zwischen dem 5. und 18. Lebensmonat, bei Hündinnen oft im Zusammenhang mit der ersten Läufigkeit.

Typische Symptome sind Lahmheitszeichen (oft "springend", da verschiedene Gliedmaßen betroffen sein können), Fieber, Appetitlosigkeit und Bewegungsunlust. Auch nach erfolgreicher Behandlung sind Rückfälle sehr häufig, die meist bis zum zweiten bis dritten Lebensjahr auftreten können.

Für die Diagnosefindung reicht einem erfahrenen Tierarzt oft die typische Schmerzempfindlichkeit der langen Röhrenknochen beim Abtasten aus. Zusätzlich können Röntgenbilder und Blutbefunde herangezogen werden.

Die Therapie besteht in antibiotischen und entzündungshemmenden Mitteln. Interessant ist auch die Erkenntnis, dass Hunde mit Panostitis sehr oft gleichzeitig an einer Mandelentzündung leiden. In seiner Dissertationsarbeit von 1995 konnte Günther Wanivenhaus nachweisen, dass eine Mandelentfernung in solchen Fällen einen besonders positiven Einfluss auf die Heilung der Panostits hatte. Bitte weisen Sie gegebenenfalls Ihren Tierarzt darauf hin!

Hypertrophe Osteodystrophie   (HOD)
(Hypertrophie=Größenzunahme eines Gewebes oder Organs; osteon=Knochen; Dystrophie=Fehlbildung)

Bei dieser Krankheit liegt eine Störung an den Wachstumsfugen (Metaphysen) der langen Röhrenknochen vor. Betroffen sind besonders die distalen (vom Körper fern gelegenen) Enden der langen Röhrenknochen des Unterarms und Unterschenkels. Es erkranken junge Hunde zwischen dem 4. und 7. Lebensmonat.

Kennzeichnendes Symptom sind warme schmerzhafte Schwellungen in der Nähe des Vorderfußwurzelgelenks und / oder des Sprunggelenks. Außerdem zeigt der Hund allgemeine Kranheitssymptome wie Fieber, Mattigkeit und Fress- und Bewegungsunlust.

Die Diagnose wird durch die klinische Untersuchung des Hundes und Röntgenaufnahmen gestellt.

Die Therapie besteht in Ruhigstellung und entzündungshemmenden Mitteln. Die Prognose ist in der Regel gut, nur bei schweren Störungen kann es zu bleibenden Fehlstellungen der Vordergliedmaßen kommen.

Alimentär bedingte Osteodystrophien
(alimentär=mit der Ernährung zusammenhängend; osteon=Knochen; Dystrophie=Fehlbildung)

Unter diesem Oberbegriff werden oft alle durch falsche Ernährung oder fehlerhafte Verwertung der Nährstoffe entstehenden Wachstumsstörungen zusammengefasst. Im engeren Sinne meint man hier solche Veränderungen, die zu sichtbaren Fehlstellungen der Gliedmaßen führen und sich eindeutig auf eine falsch zusammen gestellte Ernährung des Welpen oder Junghundes zurückführen lassen. Oft zeigt sich ein Komplex von Veränderungen im Bereich der Vorhand, der Hinterhand und des Rückens / der Kruppe. Die gesamte körperliche Entwicklung kann im Extremfall beeinträchtigt sein.

Aber auch für OCD, ED, HD und Panostitis werden fütterungsbedingte Ursachen diskutiert (siehe "
Ursachen von Wachstumsstörungen")!

Häufigstes Problem hierzulande ist wohl eine Kalziumüberversorgung bei unkontrollierter Gabe von Vitamin- und Mineralstoffpräparaten zu einem ausgewogenen Fertigfutter. Auch ein Phophat-Überschuss bei reiner Fleischfütterung kann problematisch sein. Ein zu hoher Energiegehalt der Nahrung führt zu einem stark beschleunigten Wachstum, was für die Entwicklung der Knochen und Gelenke äußerst gefährlich ist.

Die Symptome sind verschiedenartig und reichen von weichen, ausdrehenden Pfoten ("Hasenpfoten") bis hin zu schwersten Fehlstellungen mit Verkrümmung der langen Röhrenknochen der Vorderbeine und stark X-beiniger Hinterhandstellung. Zahlreiche Abbildungen finden Sie unter "
Wachstumsstörungen erkennen".

Therapeutisch wird natürlich zuerst eine Ernährungsumstellung auf ein ausgewogenes und relativ energiearmes Futter erfolgen. Auch eine Einschränkung der Bewegung ist oft hilfreich. In schweren Fällen müssen Fehlstellungen chirurgisch korrigiert werden.

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