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PS: Das alles trifft wohl nicht nur auf Deutsche Doggen zu, unser italienischer Freund Cäsar, ein echter hochadliger Irish Setter, lebt jedenfalls bei seinem Frauchen in Padua auch nicht schlecht:

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Sugars "Lebensbekenntnisse"

Hallo, liebe Leser! Meine Name ist "Sugar", ich bin die Senior-Chefin des Kruse-Rudels und zum Thema "Sofas" muß ich mich unbedingt zu Wort melden. Ich bin nämlich eine typische "Sofa-Dogge"! Nicht daß Ihr jetzt denkt, ich wäre faul ... ganz im Gegenteil, man nennt mich ein "Temperamentsbündel". Aber in meinen Ruhephasen mag ich's halt gemütlich.
Mein Problem war allerdings anfangs, meine Zweibeiner mit diesem Bedürfnis vertraut zu machen! Die lebten doch, als ich ins Haus kam, tatsächlich in der Meinung, ein Hund gehöre hauptsächlich auf einen normalen geschützten Liegeplatz oder in eine gut isolierte Hundehütte und nicht auf ein Sofa! Na, später wurde mir klar, wie sie auf diese absurde Idee kommen konnten: Daran war der alte Neufundländer Wotan schuld! Der wollte auf kein Sofa, im Haus legte er sich nur auf den Teppich und im Winter ließ er sich mit seinem dicken Pelz am liebsten einfach einschneien ... puh! Nichts gegen Schnee und Winter, aber doch nicht beim Schlafen!
Mein Ankunftstag bei Kruses war ein kalter 19.12.1992 und ich war gerade 12 Wochen alt geworden. In diesem Alter weiß Hund schon ziemlich genau, was er will! Zuerst gefiel es mir auch sehr gut in meinem neuen Heim, ich inspizierte Wohnzimmer, Küche und Hundegarten einschließlich der beiden "Jungs" Wotan (alter Neufundländer-Zausel) und Festus (dynamischer Doggen-Jungrüde) und dachte: "Sugar, hier könnte es dir gefallen!"
Dann kam aber ein harter Schlag: Meine beiden Zweibeiner meinten, ich müßte jetzt müde sein. Direkt aus dem Hundegarten ging es in einen Raum mit zwei gut eingedeckten Schlafplätzen, sofort erschnupperte ich, daß der Festus hier offensichtlich sein Lager hatte. Wotan schlief draußen, also war der zweite Platz wohl für mich?! Na, da mußte ich wohl etwas in die Trickkiste greifen: Also wurde ich plötzlich ein ganz ängstlicher kleiner zitternder Welpe und drängte mich mit weit aufgerissenen Augen an Frauchen Irene, mein Blick flehte: "Hier wollt ihr mich armes Baby ganz alleine lassen, mitten im Winter und mit diesen beiden wilden Rüpeln!" Meine beiden Frauchen tauschten sofort besorgte Blicke und meinten dann, ich müsse mich erst an alles gewöhnen und da sollte ich doch erst einmal lieber mit hoch ins Wohnzimmer kommen. - Puh, das war geschafft!

Oben angekommen, wußte ich auch gleich, wie es weitergehen sollte. Da stand nämlich ein wundervoller breiter Polstersessel in Frauchen Irenes Schlafzimmer, dort kuschelte ich mich hinein und schlief selig! Ein bißchen schauspielerisches Talent habe ich dann in den nächsten Tagen noch gebraucht (heute kann ich es ja eingestehen) und dann war meinen Zweibeinern endgültig klar, wie schön es ist, wenn die kleine süße Sugar sich abends auf dem Sofa noch etwas an sie kuscheln kann und wenn man nachts aufwacht und ihr zufriedenes sanftes Schnarchen hört...! Man muß aber zugeben, daß ich auch wirklich ein braver Hund war und absolut nichts kaputt gemacht habe (bis auf den Weihnachtsbaum und die blöde Schreibtischlampe, aber das ist eine andere Geschichte) und auch sehr schnell wußte, daß man sein "Pfützchen" vor die Tür zu setzen hat! Solange der Wotan lebte, schlief Festus dann noch unten im Hunderaum, später zog er zu Frauchen Annette ins Zimmer und von da ab gab es keine Diskussion mehr, wo wir Doggen im Haus hingehören!

Das Talent, meine Wünsche durchzusetzen, habe ich übrigens (wie meine vielen weiteren guten Eigenschaften auch) an alle meine Kinder vererbt. Manche hatte da zwar nicht viel Überzeugungsarbeit nötig, wie beispielsweise mein Sohn Astor, dem haben seine neuen "Chefs" sogar schon gleich eine eigene Hollywood-Schaukel gekauft (na, die wußten Bescheid, sie hatten nämlich schon früher eine Dogge)! Aber von meiner Tochter Ayla muß ich Euch hier doch berichten.

Ayla hatten sich gute Bekannte meiner Zweibeiner ausgesucht. Sie war der erste Familienhund dort und alles wurde auf das Beste für sie vorbereitet. Ihr Herrchen und seine zwei Söhne bauten im Schweiße ihres Angesichts in den Garten einen perfekt eingerichteten Zwinger mit doppelt isoliertem Schlafplatz für die Nacht. Gekrönt wurde das ganze Meisterwerk zum Schluß noch durch einen Wetterhahn, und alle Babys aus meinem Wurf waren zur Einweihung eingeladen und machten erfolgreiches Probeliegen! Die ersten Wochen schlief Ayla auch im Zwinger, dann wurde sie eines Nachts durch furchtbares Lärmen auf dem Nachbargrundstück sehr erschreckt, so daß sie über Nacht hereingeholt werden mußte. Am nächsten Abend ging Ayla nur zitternd in ihren Zwinger, und die besorgten Zweibeiner merkten, daß sie auch gar nicht schlafen wollte. Alles Zureden half nichts, nur mit hinein nehmen, da war sie sofort ruhig und zufrieden. Dreimal dürft Ihr raten, wie die Sache weiterging: Etwas später schon diente der ganze schöne Zwinger als Abstellhäuschen für die Gartengeräte! Na, meine Tochter eben...!

Nun, ich könnte hier noch von einigen leerstehenden Hundehütten berichten! Und wer jetzt meint, daß die betreffenden Zweibeiner doch nicht so ganz normal sein können, der soll das ruhig denken! Aber vielleicht verstehen sie es auch nur besser, noch mehr Freude am Zusammenleben mit ihrer Dogge zu haben?!

Quincy "Sugar" vom Simberg           im November 2000