Unser Festus lebte und starb lange bevor die erste Version unserer Homepage online ging. Aus diesem Grunde gab es für ihn bis jetzt auch keine eigene Erinnerungsseite. Dennoch hat kein Hund unser Leben so geprägt wie Festus, denn er war unsere erste Deutsche Dogge und durch sein unvergleichliches Wesen der Auslöser für die bis heute nicht endende "Doggenmanie".

Wenn ich heute, es ist Juni 2007 - also über acht Jahre nach seinem Tod - an Festus denke, dann muss ich selbst darüber staunen, wie reich und lebendig die Erinnerungen an ihn sind. Viele kleine Mosaiksteinchen, die sich zum Bild eines ganz besonderen Hundes zusammenfügen...

Festus

Gaston von der Hammerschmiede

30.03.1992 - 29.01.1999

Festus als Welpe

Im Alter von neun Wochen zog Festus bei uns ein. Eigentlich wollte ihn sein Züchter so jung gar nicht hergeben, denn es war noch die Zeit, da viele Doggenzüchter ihre Welpen grundsätzlich erst mit 12 Wochen abgaben (zu Zeiten des Ohrenkupierens wohl aus erklärlichen Gründen, später nur noch der Tradition geschuldet).

Die relativ kurze Autofahrt in sein neues Zuhause gefiel Festus gar nicht, er jammerte und war schrecklich unruhig. Aber sobald er wieder festen Boden unter den Füßen hatte zeigte sich, dass er ansonsten ein recht entschlossener kleiner Bube war. Dementsprechend verbellte er auch erst einmal den großen alten Wotan, unseren elfjährigen Neufundländer, bei der ersten Begegnung.

Bald hatte Festus Haus und Garten voll im Griff, zauste dem alten Wotan das dicke Fell büschelweise aus, fand jeden Blumentopf, um ihn einer genauen Analyse seiner Einzelteile zu unterziehen und liebte das Mittagsschläfchen auf der Hollywoodschaukel ganz besonders.

Festus im Alter von 12 Wochen

Über diese Zeit berichten wir auch in der kleinen Hundegeschichte "Wie Wotan Vater wurde".

Wir machen fast alles falsch...

Im Nachhinein kann ich nur noch den Kopf schütteln über uns. Aber sicher ist es lehrreich sich immer wieder daran zu erinnern, was man als Anfänger ohne Hilfe so alles falsch machen kann. Von Festus Züchter hatten wir den Rat bekommen, ihn in der ersten Wachstumsphase nicht zu viel zu bewegen. "Spielen im Garten reicht aus." Und wir haben das eine ganze Zeit lang wörtlich genommen... Nun kann man vielleicht zu unserer Entschuldigung anführen, dass damals und "hierzulande" Welpenschulen etc. etwas völlig Unbekanntes waren. Auch vertraten die meisten Hundeausbilder noch die Theorie, dass ein Hund erst mit ca. einem Jahr alt genug für "ernsthafte Erziehung" ist.

Als Festus dann ins "Flegelalter" kam entdeckte er eine neue Passion - die Jagd! Auch das war wieder unsere Schuld, denn er hatte auf der Spur von hier reichlich lebenden Wild schnell erste Erfolgserlebnisse. Festus hat dabei nie ein Wildtier verletzt, aber natürlich aufgescheucht - und so wäre er auch beinahe mal der Flinte eines Jägers zum Opfer gefallen.

Damit war dann der Punkt erreicht, an dem wir uns entschlossen Unterricht in einer Hundeschule zu nehmen. Nun dazumal gab es keine große Auswahl und wir landeten in der mit dem besten Ruf in unserer Gegend. Dort machte Festus schnellsten Bekanntschaft mit Stachelhalsband und darauf basierenden Erziehungsmethoden. Erst einmal war die Wirkung für uns verblüffend, so dass wir die Übungen fleißig abarbeiteten. Als dann aber der Ratschlag kam, ich solle, um Festus endgültig zu zeigen wer das Sagen hat, ihm einen Maulkorb aufsetzen und ihn dann am Stachler so lange mit Befehlen "trietzen", bis er völlig gebrochen und untergeordnet ist, war das doch mein letzter Besuch in besagter Hundeschule!!

Jetzt hatte ich den Punkt erreicht, an dem ich mir selbst helfen wollte. Und es gelang! Zum Glück war Festus einfach nur ein temperamentvoller aber völlig unkomlizierter Hund mit hoher Reizschwelle. Und so kam es, dass er trotz all der Fehler die wir gemacht haben, charakterlich einfach ein Traumhund wurde, lerneifrig, freundlich zu allen Menschen, nie ängstlich oder gar bösartig. Kinder liebte Festus über alle Maßen, wenn er beim Spaziergang merkte, dass Kinder hinter uns liefen, dann legte er sich hin und wartete um sie zu begrüßen.

Aber ich mag nicht daran denken, wie sich ein anders veranlagter Hund unter den Bedingungen entwickelt hätte. Wir haben einfach Riesenglück gehabt!!!!

Festus ist ein halbes Jahr alt.

Festus im Alter von 3 Jahren -  Musterschüler auf dem Hundeplatz!

Ein Show-Hund?

Festus war mit uns oft auf Ausstellungen unterwegs, zumindest in seinen ersten Lebensjahren. Wir sammelten Erfahrungen - und eine davon war, dass Festus mehrere anatomische Mängel aufwies, die ihn nicht gerade zum absoluten "Showhund" machten. Er war für einen Rüden relativ leicht gebaut, hatte leicht ausdrehende etwas lange Vorderpfoten, eine etwas zu stark aufgezogenen Rückenlinie und als schwarze Dogge viel zu helle Augen. Wenn er faul war lief er auch mal Pass. Also für angehende "Jungaussteller" ein gutes Lernobjekt. Trotzdem hat Festus in der Jugendklasse relativ oft eine sehr gute Bewertung erhalten, die "Offene Klasse" haben wir ihm und uns dann weitgehend erspart...

Jugendklasse Himmelkron 1993 - Festus (ganz rechts) in der Platzierung auch ganz hinten...

Zuchtzulassung als "Charaktertest"

Trotz seiner anatomischen "Fehlerchen" wurde uns von erfahrenen Züchtern angeraten, Festus zur Zuchtzulassung vorzustellen. Schon aufgrund seiner Ahnen (Mutter alte "DDR-Linie, Vater wurde 12 Jahre alt) wäre er eventuell für eine passende Hündin interessant. Also gesagt - getan.

Festus erhielt auch eine Zuchtzulassung - seine Bewertung war gar nicht mal so schlecht. Besonders beeindruckt waren alle Anwesenden aber - mal wieder - von seinem super Charakter:

Damals gab es noch keine Vorgaben für die "Wesensüberprüfung" bei einer Zuchtzulassung. Und der amtierende Körmeister hatte die erstaunliche Idee, dies zu tun, indem er dem neben mir stehenden Festus plötzlich und unerwartet einen leichten Schlag mit der Hand auf die Schnauze gab (ein mutiger Körmeister genau genommen *grins*). Festus blieb stehen "wie eine deutsche Eiche" und rührte sich nicht, schließlich hatte er ja auch von mir das Kommando "Steh" bekommen. Und nach seiner Meinung konnte das "Schlagen" eh nur ein Irrtum sein, denn Menschen sind gut und schlagen nicht. Daraufhin gab es einen zweiten "Nasenstüber". Festus bewegte kein Glied, zuckte nicht einmal mit der Wimper, aber aus den tiefsten Tiefen seiner Brust kam ein kurzes warnendes Grollen - übersetzt wohl: "Nicht noch einmal Freundchen!". Alle Umstehenden waren einfach beeindruckt von dieser Gelassenheit und Wesensfestigkeit - und der Körmeister hat keinen dritten Versuch "gewagt". ;-)

Die "hart erkämpfte" Zuchtzulassung hatte aber dann keine greifbaren Folgen, denn es gab nur einen Deckakt, bei dem die Hündin leer blieb. In Anbetracht von Festus späterer Krankheit vielleicht eine glückliche Fügung.

Festus (1,5 Jahre) in stolzer Haltung.

Standbild - 2 Jahre alt.

Festus Lieblingsplatz als ''Herr über Manhattan''.

"Chef" im Hunderudel

Festus zeigte auch im "zwischenhundlichen Bereich" ein bestens entwickeltes Sozialverhalten. So wie der alte Wotan lebenslänglich sein "Vorgesetzter" und eine "Respektsperson" für ihn blieb, erwartete Festus aber auch von jüngeren Rudelmitgliedern entsprechende Unterordnung. Und hier traf er nun leider auf Baxter, der schon im zarten Alter von knapp einem Jahr der Meinung war, der Posten des Rudelführers stünde ihm ganz alleine zu. In mehreren "handgreiflichen" Auseinandersetzungen konnten sich die beiden nicht einigen, so dass wir schweren Herzens zu dem Entschluss kamen, sie dauerhaft zu trennen.

Mit den Mädels im Rudel hatte Festus naturgemäß keinerlei Problem. Seine große Liebe war unsere Sugar, die nur ein halbes Jahr nach ihm in unser Rudel kam. Diese Beiden zu beobachten war oft die pure Freude, so viel Zuneigung, Zärtlichkeit und gegenseitiges Verstehen...

Festus und Sugar - unzertrennlich beim Spielen... ... und natürlich auch beim Schmusen!

Krankheit - Tod - Schuldgefühle

Im Alter von fünf Jahren begann Festus erstmals zu "kränkeln". Er bekam haarlose Stellen im Fell und Schilddrüsenprobleme (Unterfunktion). Eine Weile waren wir Dauergast beim Tierarzt, dann ging es ihm zeitweise auch wieder richtig gut.

Ein großes Problem für Festus waren aber immer Sugars Läufigkeiten, er war dann tagelang nervös, frass überhaupt nicht und magerte in kurzer Zeit nahezu zum Skelett ab. Ja und im Januar 1999 war Sugar wieder heiß und Festus litt schrecklich. Auch viel Zuwendung und Beschäftigung mit ihm konnten ihn kaum trösten. Endlich waren dann die "heißen Tage" überstanden, Festus fing wieder an zu Fressen - und wollte natürlich endlich zu seiner Sugar. Er tat mir so leid, und da nun nichts mehr "passieren" konnte ließ ich die beiden wieder zusammen. Die Freude war überwältigend, insbesondere Festus sprang umher wie ein Wilder.

Zwanzig Minuten später begann er zu würgen und brachte nur dicken Schleim hervor, wurde unruhig und konnte sich trotz mehrfacher Versuche nicht erbrechen. Ich brauchte nicht lange, um zu wissen was geschehen war - Magendrehung!! Es war später Nachmittag, wir machten uns sofort auf den Weg zum Tierarzt. Festus ging es den Umständen entsprechend noch relativ gut. Er wurde für die Operation vorbereitet, welche sich sehr schwierig gestaltete, es gab Komplikationen. Trotzdem kam Festus nach der Operation noch zu sich, hat sogar dem Tierarzt (wie er es immer tat) noch einmal die Pfote gegeben.

Zuhause angekommen verschlechterte sich sein Zustand aber zunehmend. Trotz intensiver Behandlung, mehrerer Infusionen etc. wurde Festus bewußtlos und starb schließlich in meinen Armen an Kreislaufversagen.

Festus im Dezember 1997.

Ich werde diese schrecklichen Stunden nie vergessen - und immer werde ich mir sagen müssen, dass dies alles vielleicht nie passiert wäre, wenn ich Festus nicht zu seiner Sugar gelassen hätte an jenem Tag...

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