Baxter
von den Sanften Riesen

17.07.1995  bis  04.11.2005

Eine Anhäufung von Zufällen führte dazu, dass wir uns an einem kalten Februartag 1996 trotz Schnee und Eisregen auf den weiten Weg in die Osnabrücker Gegend machten, um dort Baxter von den Sanften Riesen kennen zu lernen. Baxter war knapp sieben Monate alt und sollte eigentlich bei seinen Züchtern bleiben, wurde dann aber doch zum Verkauf angeboten.

Ich werde nie vergessen, wie ich Baxter zum ersten Mal sah - genau genommen war es nur sein Hinterteil, denn er stand als wir ankamen gerade höchst interessiert in der Futterkammer und beachtete uns gar nicht. Auch im weiteren Verlauf betrachtete er unseren Besuch sehr gelassen, lag neben dem Küchentisch und sah uns beim verspäteten Frühstück zu - nicht ahnend, dass wir "sein Schicksal" werden sollten... Und wir waren von Baxter einfach nur begeistert - es war Liebe auf den ersten Blick! Und so kam es, dass er noch am selben Tag mit uns nach Thüringen reisen sollte. Zu unserem Erstaunen stieg er ohne zögern in das für ihn doch völlig fremde Auto und lag dort während der langen Fahrt ganz ruhig auf seinem Platz...

In seinem neuen Zuhause angekommen dauerte es gar nicht lange bis Baxter sich heimisch fühlte. Von unserem restlichen Rudel (Festus, Sugar und Avanti) wurde er auch ausgesprochen freundlich aufgenommen. Und sehr bald schon merkten wir, dass sich zwischen Baxter und der damals gerade ein Jahr alten Avanti eine ganz besondere enge Beziehung anbahnte.

Baxters erstes Jahr in unserem Rudel verlief dann wirklich in vieler Hinsicht turbulent. Schlimm war, dass er gegen unsere Erwartungen schon bald nicht mehr Festus Führungsrolle im Rudel anerkennen wollte, obwohl Festus doch der deutlich Ältere und auch durchaus selbstbewußt und mit "Führungsqualitäten" ausgestattet war. Die ersten kleinen Rangeleien endeten auch eindeutig damit, dass Festus den jungen Spund unterordnete. Aber eines Tages kam es zum ernsthaften Kampf zwischen den beiden, keiner gab nach und wir waren - im Nachhinein betrachtet - völlig unvorbereitet... Schließlich gelang es uns die Kampfhähne zu trennen, beide blutverschmiert und offensichtlich selbst psychisch unter Schock stehend. Und wir mussten wenig später zu der Erkenntnis kommen, dass es eine Trennung auf Dauer wird, denn keiner der beiden Rüden wollte nachgeben. Dass diese schlimme Angelegenheit auch noch ihre lustigen Seiten hatte, berichten wir in der kleinen Hundegeschichte über die "Pulloverbande".

Ansonsten bereitete uns Baxter aber nur große Freude. Er wuchs zu einem sehr schönen und eleganten Junghund heran mit ruhigem, ausgeglichenem Wesen und einer sehr engen Bindung zu seiner zweibeinigen Familie. Baxter entwickelte nach einigem Training ein ganz besonderes "Präsentationstalent" auf Ausstellungen, so dass wir uns schon bald über seine Erfolge freuen konnten. Ein besonderes Erlebnis für uns als "Newbies" war natürlich, dass Baxter auf der Clubsiegerschau des DDC 1996 in Darmstadt nicht nur den Titel Clubjugendsieger erhielt, sondern auch "Schönster Rüde der Jugendklasse" wurde.

Die Zeit verging wie im Fluge - Baxter wurde erwachsen und dabei festigte sich sein freundliches und sehr auf "gute Hundesitten" bedachtes Wesen weiter, ja er wurde ein richtiger "Doggen-Gentleman". Auch gesundheitlich hat er uns fast sieben Jahre lang überhaupt keinen Kummer bereitet.

Dank seiner züchterisch interessanten Ahnen, seines tollen Wesens und seiner weiteren Ausstellungserfolge (er wurde sehr bald Deutscher Champion VDH und DDC) stellten sich auch "heiratswillige Doggendamen" ein. Leider erwies sich Baxter in dieser Hinsicht als ausgeprochen "ungeschickt", so dass es im Endeffekt nur zu einem erfolgreichen Deckakt kam. Eine Tatsache, die wir noch heute sehr bedauern...

So kam es, dass Baxter nur eine Tochter - "Gundel von Wotans Meute" - hatte, die ihm allerdings dann insgesamt 17 Enkel schenkte.

Kurz vor seinem Tod wurde Baxter dann durch seine Enkeltochter Luna von Wotans Meute 12facher Urgroßvater, so dass ein kleines Stück seines Erbgutes wohl auch in Zukunft in anderen Doggen weiterleben wird...


(Das linke Bild zeigt Baxters Tochter Gundel in Präsentationslaune, man beachte die Ähnlichkeit mit Papa Baxter! Rechts sieht man sie als liebevolle Mutter ihres zweiten Wurfes - "P-Wurf" von Wotans Meute.)

Unser großer Kummer mit Baxter begann kurz vor seinem siebten Geburtstag. Infolge eines banalen Infektes an der Pfote erkrankte Baxter schwer an einer Autoimmunarthritis. Ausführlich berichten wir davon in der Geschichte "Unser tapferer Baxter". Baxter zeigte uns in dieser Zeit eine ganz neue Seite seines Charakters, er war ein tapferer und zäh um sein Leben ringender "Kämpfer", ein sanfter und geduldiger Patient. Noch dreieinhalb Jahre konnte er mit seiner zunehmend schwerer werdenden Behinderung leben, dank einer unglaublichen Lebenskraft und der Fähigkeit auch aus den kleinsten Dingen noch Lebensfreude zu schöpfen. Und zu unserem großen Erstaunen blieb Baxter auch immer noch der "Chef" unseres Rudels, seine psychische Kraft war offensichtlich der Grund, denn rein körperlich konnte er die "halbstarke Jungend" ja nicht mehr beherrschen.

Seine "großen Liebe" Avanti blieb Baxter in all der Zeit treu, die beiden sind miteinander alt geworden und gehörten einfach zusammen. Nie hätten wir allerdings damit gerechnet, dass unsere Avanti uns kurz nach ihrem zehnten Geburtstag und damit noch ein halbes Jahr vor Baxter verlassen würde...

(Links Avanti und Baxter im Januar 2005, rechts Baxter an seinem 10. Geburtstag)

Dann ist das geschehen, wovor wir uns immer gefürchtet haben: Baxter konnte plötzlich gar nicht mehr aufstehen, seine Hinterhand war komplett gelähmt. Keine Aussicht auf Besserung, auch unseren tapferen Jungen verließ mit jedem vergeblichen Versuch sich aufzurichten ein Stückchen Lebensmut. Und wir mussten eine Entscheidung treffen - die Entscheidung ihm ein qualvolles Dahinsiechen zu ersparen.

Und so ist er an einem Freitag abends friedlich in unseren Armen eingeschlafen. Der Schmerz ist immer noch groß und wir vermissen ihn so sehr - Baxter unseren tapferen Doggen-Gentleman.

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